Donnerstag, 21. November 2013

Es weihnachtet sehr!

Allüberall auf den Tannenspitzen, sah ich goldene Lichtlein blitzen…

Nur, dass die Lichtlein in Wohnzimmerfenstern, Haustüren und Dächern hängen. Es ist so weit. Der erste Advent rückt näher, die Kaufhäuser bieten schon seit August Lebkuchen an und plötzlich steht dann schon Weihnachten vor der Tür.

Keiner weiß, was er schenken soll, alle rennen hektisch durch die Straßen, überfüllte Kaufhäuser, verzweifelte Ehemänner in Schmuckabteilungen, verzweifelte Frauen bei Socken und Krawatten, überall Glitzer, Lichter, Musik, Schnee, Apokalypse!

Gut, vielleicht nicht ganz so dramatisch. Ich bastele dieses Jahr für einen ganz besonderen Menschen einen Adventskalender. Der Gute hat nämlich ein Schokoladen-Problem und deshalb sind herkömmliche 0,59€ Adventskalender leider nicht geeignet. Für die Extended-Edition mit Playmobil ist er leider zu alt, also bestücke ich das gute Ding selbst. Und weil ich nicht raus will, denn es ist kalt und gefährlich da draußen, shoppe ich vom Laptop aus.

Ich möchte euch heute den Onlineshop „design-3000“ vorstellen. Mit extra Rubrik für Adventskalender. Hier gibt es schöne (unglaublich nützliche…) Sachen für kleines Geld und vor allem jede Menge Ideen. Also shoppt nicht gleich drauf los, denn auch (oder gerade!) Selbstgebasteltes ist schön. Trotzdem bietet das Internet zahlreiche solcher Shops, um sich Ideen zu holen. Auch für das große Geschenke-Verteilen selbst.
Also schnappt euch Schere, Kleber und Glitzerpapier, verzichtet aufs lästige Geldausgeben und los geht die große Vorweihnachts-Bastelaktion!

Freitag, 15. November 2013

Warum packen wir G8 nicht?

Es gibt Foren, in denen Mütter ihren Frust ablassen, Kinderärzte warnen und Ferndiagnosen gestellt werden. Es geht um das Abitur nach acht, statt nach neun Jahren. Ich persönlich dachte, als dieses ominöse „G8“ eingeführt wurde: „Okay, jetzt meckern wieder alle ein, zwei Jahre rum, aber dann ist es gut“. Mittlerweile ist die Diskussion allerdings ausgeufert: Kinder sind dem enormen Lerndruck nicht gewachsen, Kinder haben keine Freizeit mehr, Kinder kommen erst um fünf aus der Schule, etc.

Naturwissenschaftliche Grundbildung/Lesekompetenz:  Sachsen und Thüringen immer vorn mit dabei und auch Bayern (mit meiner Meinung nach besserer G8-Organisation) schneidet sehr gut ab .(Quelle: tresselt.de/pisa)
Zunächst einmal möchte ich auf folgendes hinweisen: Die Ostdeutschen packen das G8-Abi seit Jahrzehnten. Ganz weit vorne dabei: Sachsen und Thüringen. Die haben seit knapp sechzig Jahren das, was heute alle das „Turbo-Abi“ schimpfen. Aber wo liegt der Unterschied zwischen ost- und westdeutscher Schulpolitik?

Mittlerweile kehren hier in NRW viele Schulen zum „alten“ G9 zurück. Und das, nachdem gerade mal ein einziger Jahrgang den G8-Abschluss gemacht hat. Damals wurde aus den Lehrplänen nichts gestrichen, sondern nur kompensiert: Und genau das ist der Fehler. Für den plötzlich auftauchenden Ganztagsunterricht waren viele Schulen nicht gemacht: Es gab keine Mensen und kein Betreuungsangebot. All das wurde ruck-zuck improvisiert und hat schlechten Eindruck bei Eltern und Lehrern hinterlassen.

In ein paar Jahrzehnten, wenn  man von dem Tempo ausgeht, in dem die Bildungspolitik für gewöhnlich vorgeht, wäre G8 für alle  ganz normal. Die Lehrpläne wären entrümpelt und es gäbe ausgestattete Schulen. G8 bekommt diese Chance allerdings gar nicht.
Nächstes Problem ist der Inhalt der Lehrpläne. Meiner Meinung nach fehlen Fächer wie „Lernen lernen“ oder ein Fach, das sich ausschließlich damit beschäftigt, wie man seine Zukunft gestaltet. Es müsste eigens angestelltes Personal geben, das sich nur damit beschäftigt, wie ein Siebzehnjähriger Abiturient wissen kann, was er studieren, als was er arbeiten und wie er später leben möchte. Ansonsten fehlt den Schülern nach dem Abitur schlicht und ergreifend die nötige Unterstützung, die man fast noch pubertierenden Teenagern dringend geben muss!

Ich finde G8 gut. Ich traue mich diese Aussage zu machen, obwohl ich selber noch in einem G9-Jahrgang Abitur gemacht habe. Möge es Steine auf mich niederhageln. Meine Eltern sagen gerne „Das Abitur ist heute doch viel leichter, als damals“ und viele Lehrer sagen, dass man heute viel zu schnell Einsen verteilt, das habe es früher nicht gegeben.
 Ich kann das ein klein wenig nachvollziehen, wenn es um die Umstellung zur Universität geht. Hier herrscht plötzlich ein ganz anderes Klima: Nur 22 Wochenstunden, juhu. Fahrtzeit: Jeden Tag zwei Stunden, fünf Tage die Woche. Da haben wir schon die 32 Stunden Schulwoche. Und jetzt, Vor – und Nachbereitung: Lektüren lesen, Übungsblätter lösen, nächstes Seminar vorbereiten, weiterlesen, sich weiterbilden, Praktika machen… Das ist auf einmal eine ganz andere Hausnummer. Spätestens in der Oberstufe sollte man hierauf vorbereitet werden. 

Mein Vorschlag: 30 Schulstunden in der Woche, aber dafür mehr Eigenarbeit zuhause, die spätestens an der Universität geleistet werden muss. Allerspätestens jedoch im Berufsleben.
Ich erlebe es immer wieder, dass ich im Seminar sitze und die ersten fünfzehn Minuten einer Fragestunde gleichen. „Kommt das in der Klausur?“, „Müssen wir das alles lesen?“, „Geben sie uns mal ne Probeklausur?“ (fünf Monate vor der Prüfung!), „Müssen wir das können?“, „Sagen sie uns noch, was in der Klausur dran kommt?“.

Hier wird nicht vorgekaut, wie auf dem Gymnasium. Hier wird nicht stundenlang etwas geübt, was nachher dran kommt. Man muss es selber machen! Sich selbst aufraffen, sich an den Schreibtisch setzen, sich anstrengen.


Liebe Eltern, es hilft nichts die Hausaufgaben mit euren Kindern bis zum Abitur stets gemeinsam zu machen.
Liebe Bildungspolitiker, sorgt dafür, dass sie in der Schule lernen, wie sie es allein hinkriegen!
Liebe Lehrer, ihr könnt wenig dafür, gebt den Schülern nur eine Zukunftsperspektive!

Dienstag, 12. November 2013

Das KK-Phänomen



Nach meinem Beitrag gestern, möchte ich euch heute nur ganz kurz von "Kleiderkreisel" berichten: Die gute Alternative zum Wegschmeißen von Klamotten: Ein Online-Flohmarkt für Klamotten. Wer sich für die Seite interessiert, der kann sich einfach ein wenig auf www.kleiderkreisel.de umschauen.

Ich habe mich vor ein paar Monaten registriert, ein paar Sachen eingestellt und ein paar gekauft. Und nach und nach, wie das eben so ist, steigt man mehr und mehr in den dort herrschenden "Lifestyle" ein und versteht (oder versteht eben nicht) die Mentalität der Leute da.

Ich, als großer Listen-Fan, hab deshalb zwei Listen vorbereitet: Ganz klassisch, PRO und KONTRA.


PRO
KONTRA
- Alternative zum richtigen Flohmarkt, zum Wegschmeißen und Verschenken:
Hier bekommt man noch etwas für seine Klamotten aus der letzten Saison. Der Verkauf lohnt sich, gerade Markenkleidung geht weg wie warme Semmeln. Und das zu fairen Preisen!
- Betrügen und betrogen werden:
Aufgrund der Anonymität bei Kleiderkreisel und der Leichtgläubigkeit der Nutzer kommt es ständig zu falschen Angeboten, überwiesenem Geld aber keiner Lieferung, etc. Hier heißt es: Aufpassen und über Paypal bezahlen, Adresse und Benutzername notieren, damit im Ernstfall Anzeige erstattet werden kann.

- nette Menschen:
Vielleicht hatte ich bisher nur Glück, aber ich habe bisher ausschließlich nette Menschen kennengelernt. Man konnte ohne Streit diskutieren. Sei es über Preise oder über die (manchmal sehr lange) Liefer-/Überweisungsdauer.

- Schrott:
Viele Leute verkaufen hier wirklich nur ihre abgetragenen Klamotten, die niemand mehr anziehen möchte. Das Angebot ist ohnehin schon riesig, dieser Müll verhindert leider, dass man findet, was man sucht.


- too much information!
Und das wäre auch schon der nächste Punkt: Wenn man nicht genau weiß, was man sucht, dann ist man aufgeschmissen. Wenn ich nur nach einem Pullover in Größe S suche, dann bekomme ich 2000 Angebote. Wer klickt sich da schon durch, ohne die Nerven zu verlieren?


- Unzuverlässigkeit:
Auch wenn sie nett sind, manche Kreisler und Kreislerinnen sind wirklich unzuverlässig. Das Paket liegt tagelang bei ihnen zuhause herum, bis es endlich mal zur Post kommt und man wartet manchmal mehrere Wochen auf eine Lieferung. Schade, aber Glücks-/Pechsache.

 - Forum:
Ich finde es schön, dass es eine Kreisler-Community gibt. Es gibt hier eine eigene Mentalität die zwischen den Leuten herrscht: Man tauscht Klamotten, Filme, Bücher und hat überhaupt kein Problem „benutzte“ Dinge wieder zu verwenden. Ich finde diese Denkweise grandios, vor allem weil sich hier sehr viele junge Menschen tummeln. Entgegen der heutigen Wegwerf-Gesellschaft wird hier jeden  Tag recycelt.

- öffentliches Forum:
Jeder kann mitlesen, viele sind mit echtem Namen, beinahe jeder mit eigenem Foto  unterwegs. Trotzdem findet man Beiträge, wie:

- „Männliche Käufer sind mir suspekt!“
- „Ich habe mich geritzt“
- „Mein Freund ist vom Kiffen abhängig“


- Anonymität ausnutzen:
Viele dieser Beiträge werden auch anonym  gepostet. Allerdings finde ich es bedenklich, dass man sich hier mit oft schwerwiegenden Problemen an eine Community wendet, die sich hauptsächlich über Mode austauscht.


- Ratschläge:
Die Ratschläge die hier erteilt werden sind wirklich nur sehr selten durchdacht. Man hat schnell ein paar Sätze getippt und abgeschickt, aber der Thread-Starter legt eventuell sehr viel Wert auf das Geschriebene, obwohl es vielleicht nur ein flüchtiger Gedanke war.
Harmloses Beispiel: Ein Mädchen hat ein Portemonnaie mit mehreren hundert Euro im Supermarkt  gefunden. Ein anderer rät ihr, das Portemonnaie doch einfach zu behalten, interessiere doch ohnehin niemanden.
Wohin soll denn eine solche Moral führen?


- Jugenschutz:
Geschäftsfähig ist man mit 14, also darf man auch auf Kleiderkreisel mit 14 loslegen. Einige Mitglieder sind noch jünger. Ein Jugendschutz herrscht hier kaum. In den Foren gibt es keine Zensur, nicht ausreichend Moderatoren und keinen Respekt vor den Kindern/jungen Jugendlichen, die auf der Seite unterwegs sind. Sie werden ungefiltert mit Vulgarität, Hasstiraden, Vorurteilen und fehlendem Schutz vor Betrügern ausgesetzt. Da das leider überall im Internet so ist und vermutlich jeder von ihnen schon auf Facebook unterwegs ist, macht das aber vermutlich gar nichts aus. Schade.



Montag, 11. November 2013

kaufen, tragen, wegschmeißen - Das Prinzip Primark

Dieser Post wird heute etwas länger, als gewöhnlich. Aber gerade heute bitte ich weiter zu lesen, denn das Thema ist wirklich wichtig. Es geht um T-Shirts für 2,50€ und Hosen für 11€. Genau gesagt: Es geht um Primark. Und nebenbei selbstverständlich auch um jeden anderen Laden, in dem Kleidung zu skepsiserregenden, günstigen Preisen verkauft wird.




Ich kaufe bei Primark ein. Warum? Weil es billig ist und die Klamotten schön aussehen. Das klingt flach, aber ich will nicht lange um den heißen Brei herum reden.
Ich habe auch schon vielen meiner Freunde empfohlen, bei Primark einzukaufen. Das erste Mal habe ich den Laden, von dem ich noch nie gehört hatte, in England gesehen und war sofort begeistert. Für so wenig Geld mit so vielen Tüten nach Hause zu kommen, dass sie kaum in meinen Koffer passten... ein verlockendes Angebot.


Und genau davon lebt Primark: Von der Masse. Primark verkauft viel zu unglaublich günstigen Preisen. In Deutschland gibt es derzeit 10 Filialen, 8 weitere sind geplant. Eine davon ganz bei mir in der Nähe, in der Kölner Innenstadt. Läden wie H&M, Zara etc. haben zurecht Angst vor der kommenden Konkurrenz, die da Anfang 2014 auf sie zurollen wird, denn Primark ist größer, billiger und wechselt ständig das Angebot.

Primark ist günstig, modisch und billig.

Es gibt viele bekannte Youtuber und Blogger, die von ihren Einkäufen bei Primark berichten. Es ist voll, laut und die Klamotten werden aus den Regalen gerissen und nicht zurückgelegt. Ein Großteil des Personals faltet den ganzen Tag und räumt das Chaos wieder ein. Primark selbst macht fast keine Werbung - aber das schadet dem Unternehmen scheinbar gar nicht. Hier zeigt sich wieder einmal, was eine Handvoll Youtuber und Blogger und die Mundpropaganda bewirken können: 

Primark feiert jedes Jahr größere Erfolge. Allein im letzten Jahr machten sie 22% mehr Umsatz als im Jahr zuvor.

Jeder von uns hat sich sicher schon mal gefragt, wie Primark, aber auch H&M, Zara und andere Verkaufsketten es schaffen so günstige Mode zu verkaufen.

Warum Primark dabei günstiger ist, als andere ist leicht zu erklären: Im Vergleich zu ihrer Branche machen sie wenig Umsatz. Ein Kleid, das für 16€ verkauft wird und 5€ Material plus Transport gekostet hat, bringt ihnen effektiv weniger ein, als es in anderen Märkten bringen würde, denn Primark ist und bleibt günstiger, als die Konkurrenz. Doch sie haben keine Werbekosten und produzieren genauso günstig, wie andere: In Bangladesch beispielsweise.

In meinen neuen Klamotten aus der Primark-Papiertüte finde ich keine Aufschrift "Made in Bangladesch", sondern nur den Vermerk: "Primark Dublin". Genau das hat auch der Film "Mode zum Wegwerfen - Das Prinzip Primark" vom ZDF festgestellt und sich auf den Weg nach Bangladesch begeben.

"Textilien als täglicher Konsumartikel"
- kaufen, tragen, wegschmeißen -
Der Primark-Effekt


Bangladesch ist der zweitgrößte Textilexporteur weltweit. Markenkleidung wird hier in barackenähnlichen Gebäuden von unterbezahlten (meist) Frauen genäht.
Doch Primark sagt: Unsere Arbeiter erhalten alle den gesetzlichen Mindestlohn.
Das ist richtig. Doch von 30€ Mindestlohn im Monat kann man nicht mal in Bangladesch leben. Die Lebensbedingungen sind ohnehin schon schrecklich genug: Überall Berge von Textilmüll, überschwemmte und baufällige Gebäude, in denen immer noch gearbeitet wird. Elf Stunden am Tag, 6 Tage die Woche. Dafür bekommt man hier 30 bis 60€ im Monat. 40% der Bevölkerung leben hier in Slums und in menschenunwürdigen Verhältnissen. 



Sind wir das Schuld, weil wir bei Primark einkaufen?

Ja und nein.
Weil wir die Sachen kaufen, verdient eine Näherin in Bangladesch überhaupt etwas. Aber hier herrscht ein ethisches Problem: Die billigen Arbeitskräfte werden schamlos ausgenutzt. Niemand wird hier wertgeschätzt und viele Näherinnen zeigen im Interview mit dem ZDF, dass sie gar nicht glauben können, dass wir ihre mühsame Arbeit mit so wenig Geld erkaufen. Primark lässt jedoch nicht zu, dass in ihren Fabriken selbst gefilmt wird. Vielleicht aus Scham und Selbstschutz. Aber wie wirkt das auf uns, auf die Konsumenten?

Doch es gibt Hoffnung. 
Mittlerweile gibt es Organisationen wie "Worker's Help", die sich mit den schlechten Arbeitsbedingungen auseinandersetzen. Primark selbst hat die Initiative "Primark Ethical Trading" ins Leben gerufen. Und genau für diese Initiative möchte ich hier dringend Werbung machen, denn ich finde der Film des ZDF rückt Primark in ein sehr einseitiges, schlechtes Licht.


Primark Ethical Trading (www.primark-ethicaltrading.de) setzt sich für verschiedene Projekte in den Produktionsländern ein. Eine kurze Auflistung hier:


- Frauengesundheit (BSR HERproject [Health Enables Returns] Initiative:
- Gesundheitsversorgung und Gesundheitserziehung
- Hilfe bei Hygiene, sexueller Gesundheit, Fortpflanzung, Schwangerschaft & Ernährung 

- Stärkung der Rolle der Frauen)

- Nachhaltige Baumwolle (Zusammenarbeit mit Organisationen, um Nachhaltigkeit und Existenz von Baumwoll-Anbauern zu verbessern)
- Bankkonten für Arbeiter (Arbeitern bei Errichten von Bankkonten helfen, damit sie sparen und finanziell bodenständiger und gesicherter sein können)
- Kleidung wiederverwerten
(mit der Newlife Foundation:
- Kleidung wiederverwerten und so umweltverträglicher produzieren

- Recyceln von nicht verkaufter oder zurückgegebener Kleidung, um weniger an Mülldeponien zu geben [also bringt eure Kleidung zurück zu Primark, in die Wiederverwertung]- Mehr Rechte für Arbeiterinnen
- Schulungen für Arbeiter
- Sauberere Produktion, Umweltschutz (Cleaner Production: Herstellern werden die Resultate von sauberer Produktion gezeigt, zzt. in Bangladesch und China) - meiner Meinung nach keine Wohltat, sollte heutzutage eigentlich Standard sein, gerade bei so großen Unternehmen- Schulen und Hochschulen (Fallstudien, Transparenz der von Primark geleisteten Arbeit)
- Existenzsicherende Löhne in China (nur in China!)- Unterstützung für Heimarbeiter auf den Philippinen
- Abfallverwertung (Abfälle aus Filialen in Großbritannien [nur in GB!] (Karton, Plastik oder Kleiderbügel) werden im Recyclinghof in Thrapston wiederverwertet --> Verkaufsnetz in GB fast CO2-neutral)


Vor etwa einem halben Jahr stürzte ein Produktionsgebäude in Bangladesch (Rana Plaza) ein, bei dem viele Arbeiter ums Leben kamen. Primark verkündete Ende Oktober Maßnahmen, wie Opfer und Hinterbliebene entschädigt werden sollen:

1. 550 Arbeiter bzw. Hinterbliebene sollen entschädigt werden. Dazu gehört insbesondere die Erfassung und Beurteilung ihres Gesundheitszustandes und ihrer Vulnerabilität (Verletzbarkeit).
2. Unterstützungszahlungen an diese Arbeiter 
3. Andere vom Unglück betroffene Unternehmen werden von Primark gebeten ebenfalls finanzielle Unterstützung zu leisten. 
Selbst wenn diese Unternehmen nicht helfen, garantiert Primark die Zahlung von drei Monatslöhnen an die Betroffenen.

Leider ziehen sich die Debatten über die genaue Vorgehensweise in die Länge, sodass nicht gesagt ist, wann diese Gelder den Betroffenen zur Verfügung stehen werden. Besonders großzügig zeigt sich Primark hier allerdings nicht und eigentlich sollte ein solches Unglück gar nicht erst geschehen. Es sollte ausreichend Sicherheitsmaßnahmen für Arbeiter geben, um vor derartigen Katastrophen zu schützen.

Dennoch tut Primark hier wenigstens ein wenig. Wenn auch wahrscheinlich nur aus öffentlichem Druck heraus, um ihr Image zu verbessern.


An einer anderen Stelle kann und will ich Primark, aber auch andere billige Modeketten nicht verteidigen: Viele der Produkte werden billig produziert. Mit billigen, gesundheitsgefährdenden Stoffen, die im Verdacht stehen oder nachgewiesen krebserregend sind. Allergische Reaktionen der Mitarbeiter hat es bereits häufig gegeben und in den Lagern der Primark-Filialen herrscht eine hohe Konzentration der Stoffe. Es soll bereits des öfteren Kreislaufzusammenbrüche in den Lagern gegeben haben. 

Alle im Labor gemessenen Werte liegen jedoch unter der gesetzlich zulässigen Grenze.

Ich kann das alles nicht nachweisen, denn ich bin nur eine Konsumentin, die einen Blog schreibt, aber ich finde das doch sehr bedenklich.

Von Primark selbst würde ich mir wünschen, dass sie tatsächlich ethisch handeln und es nicht nur auf ihrer bunten Website präsentieren. Zahlt den Menschen, was sie zum Existieren brauchen und haltet nicht an Floskeln wie "gesetzlicher Mindestlohn" und "Entschädigungszahlungen" fest.

Ich kann jetzt niemandem sagen: "Kauft bei Primark" oder "Kauft nicht bei Primark". Ich möchte nur bitten zu reflektieren und nicht nach der immer stärker aufkommenden Wegwerf-Moral zu leben. Überlegt, was ihr kauft, wenn ihr es kauft. Auch wenn das Teil nur drei Euro kostet, hat jemand sehr viel Arbeit hinein gesteckt. Werft ihr das Teil gleich wieder weg, werft ihr die Würde des Menschen gleich mit in die Tonne.

Sonntag, 10. November 2013

Hikikomori - Kevin Kuhn

In der Uni in einem Einführungsseminar zur neueren deutscher Literaturwissenschaft: Wir sollen „Hikikomori“ lesen. Und wir natürlich alle: „Wat sollen wir lesen?“.

Mit meinem top-modernen Smartphone hab ich gleich nach der Veranstaltung nachgeschaut, was das denn heißt. Wikipedia hat mich freundlicherweise darüber aufgeklärt, dass „Hikikomori“ kein Name für einen Urwaldstamm ist:

"Als Hikikomori (jap. ひきこもり, 引き籠もり oder 引き篭り, „sich einschließen; gesellschaftlicher Rückzug“) werden in Japan Menschen bezeichnet, die sich freiwillig in ihrer Wohnung oder ihrem Zimmer einschließen und den Kontakt zur Gesellschaft auf ein Minimum reduzieren. Der Begriff bezieht sich sowohl auf das soziologische Phänomen als auch auf die Betroffenen selbst, bei denen die Merkmale sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können.
Obwohl akuter gesellschaftlicher Rückzug in Japan Jungen und Mädchen gleichermaßen zu betreffen scheint, sind es überwiegend männliche Personen, die mit ihrem Verhalten Besorgnis oder Aufmerksamkeit erregen. In Familien mit mehreren Kindern ist es am häufigsten der älteste Sohn." (aus: Wikipedia, die freie Enzyklopädie)

Ganz diesem Beispiel folgend ergeht es dem Protagonisten in Kevin Kuhns Roman „Hikikomori“. Till geht auf eine Walddorfschule, darf von seinen Eltern aus alles tun und wird trotz fehlender Zulassung sogar durchs Abitur geklagt, während er… ja, was macht Till da eigentlich? Er räumt seine Möbel in den Keller, malt Umrisse auf den Boden, die an die Umrisse der Leichen an Tatorten von Morden erinnern. Als er nicht zum Abitur zugelassen wird ist er plötzlich allein mit sich selbst und beginnt sich zu reflektieren. Und um sich selbst zu reflektieren, darf einen nichts stören. So bricht Till nach und nach den Kontakt zur Außenwelt ab. Aber nicht ganz. Denn in der Ecke blinkt stets sein Computer und wartet mit einem Spiel auf ihn. Erst ein Ego-Shooter, dann ist ihm diese Welt zu klein und er erschafft eine neue. Mit Minecraft. Vielleicht klingelt es bei einigen von euch, vielleicht auch nicht. Das ist eine Art Bauklotz-Simulator. Dort baut er die Welt „0“. Eine Zufluchtsstätte für Menschen wie ihn, die sich selbst finden wollen, oder solchen, die nach einer perfekten Welt suchen. Irgendwann verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und der Welt „0“ und selbst der Leser findet sich nicht mehr zurecht. Ein Satz wie: „Am Ende wird dann doch alles gut“ ist auch eher deplatziert, denn ob Till letztendlich zu sich selbst findet, weiß man nicht so genau. Klar ist, dass er nicht isoliert bleibt, dass er gar nicht isoliert bleiben kann.
„Hikikomori“ hat mich persönlich ein wenig verstört. Ich dachte erst, es ginge um Till, den radikal genormten Teenager, der sich vor den PC setzt und Ballerspiele spielt, statt sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Und dann merkt man allmählich: Das hier ist kein Jugendroman, der die sozial verkrüppelte Jugend zu sich selbst führen soll. Ja, da ist die Schwester, die mit dem Smartphone ständig auf Facebook hängt. Ja, der Autor schreibt ständig „Mouse“, als wäre es etwas ganz und gar Neumodisches. Und ja, Till zockt und befasst sich weder mit seinen Freunden, noch mit dem Abitur, das er nicht antreten kann. Aber was Till macht – und das finde ich beeindruckend: Er setzt sich mit sich selbst auseinander. Er lebt fast ein Jahr lang völlig isoliert und ohne viel direkten Kontakt zu anderen Menschen. Meiner Meinung nach wächst er über sich und seine Schwächen hinaus, nicht „obwohl“, sondern gerade weil er sich derartig isoliert. Ob er danach nicht einen psychischen Knax weg hat, ist eine andere Frage.
In diesen Aspekten gefällt mir Kuhns Roman. Er enthält keine lehrende Botschaft und soll auch nicht einen Anti-Teenager präsentieren. Ich glaube, dass Kuhn zum Nachdenken anregen möchte:
- Warum verschließt sich Till so vor der Realität, obwohl er doch alle Möglichkeiten hat um „raus“ zu kommen?
- Warum lassen Tills Eltern sich auf diese Form der Selbstfindung ein?
- Warum verbannt Till all seine Habseligkeiten in den Keller, außer seinem Computer?
- …

Was mir an Kuhns Buch nicht gefällt lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen:
Für jemanden, der Ego-Shooter und auch Minecraft spielt, wurden die dargestellten Welten schlicht und ergreifend falsch präsentiert. Sie wurden einerseits idealisiert und auf der anderen Seite um Aspekte erweitert, die man so in keinem Spiel finden würde. Die Frage ist nun: Hat der Autor sich hier nicht genügend informiert, oder hat er mit Absicht das Spiel toller gemacht, als es ist? Vielleicht um uns zu zeigen, dass Till fantasiert, dass er seine neue Welt besser und empfindsamer macht, als sie ist. Man kann in Minecraft keine Gesten ausführen und erst Recht kann niemand mit einem anderen Spieler Sex haben. Mich persönlich hat diese Darstellung gestört, auch wenn sie nur als Stilmittel gedacht war.
Zuletzt noch: Tills Familie. Ich kann mir schlicht und ergreifend keine Familie vorstellen, die ihren Sohn ein Jahr lang lediglich verpflegt und ihn ansonsten sich selbst überlässt. Till verkommt nach und nach total und niemanden scheint es wirklich zu kümmern, außer eventuell seine Schwester. Ich wüsste gerne, was diese fiktiven Eltern dazu gebracht hat, so viel Vertraue in einen pubertierenden Teenager zu setzen…

Insgesamt kann ich „Hikikomori“ nur empfehlen. Das Buch hat nur um die 200 Seiten und ist schnell gelesen. So viel nachgedacht hab ich persönlich aber selten über eine solche Erzählung. Danke, Kevin Kuhn, für diesen Einblick in die menschliche Psyche eines 17-Jährigen.


Montag, 4. November 2013

Nachtrag: Die unvorbereitete Generation Y?

Noch eine Sache. Fühlt sich die heutige Generation vorbereitet auf das Arbeitsleben? 

Hurrelmann sagt, Schulen sollten sich mehr darum bemühen zusätzliches Personal anzustellen, das für Berufsberatungen zuständig ist (siehe hier). Der Bruch zwischen Schule/Arbeitswelt ist meiner Meinung nach einfach viel zu groß. Es fehlt der Übergang, die Hilfestellung. Zu viele Möglichkeiten, von denen wir nur die Hälfte mitbekommen, und zu wenig Zeit sich damit zu beschäftigen. 
Meiner Meinung nach braucht eine Schule dringend Leute, die sich nur damit beschäftigen, Jugendliche über ihre Möglichkeiten aufzuklären und ihnen bei der Entscheidung zu helfen. Im Idealfall sollte es in der Oberstufe ein Schulfach geben, das sich explizit mit der beruflichen Zukunftsplanung auseinandersetzt.

Wie seht ihr das, fühlt ihr euch gut vorbereitet auf eure berufliche Zukunft? Wenn ja/nein, weshalb?


Ich bin hier zum Bewerbungsgespräch, mein Name ist Generation Y und ich habe folgende Ansprüche

Heute im "Kölner Stadt-Anzeiger": "Die jungen Milden"


"Sie scheinen selbstverliebt, risikoscheu und anspruchsvoll, meiden Führungsverantwortung, lassen es an Ehrgeiz fehlen, sind dafür aber ausgeprägt freizeitorientiert." (ksta, Stefan Sauer)
Freizeit oder Job?
Oder beides?

Ich hab erst mit den Augen gerollt, als ich das gelesen habe. Die Nachwuchs-Akademiker zwischen 15 und 30 werden scheinbar alle über diesen Kamm geschert. Als ich dann den Namen "Hurrelmann" gelesen haben, musste ich echt kurz schlucken, wurde gegen Ende des Artikels aber beruhigt. Hurrelmann fasst ziemlich anschaulich zusammen, was auf die Unternehmen in den nächsten Jahren zukommt: Nämlich wir. 
Ziemlich anschaulich dazu zu betrachten auch die Zusammenfassung seines Vortrages "Wie tickt die junge Generation? Welcher Nachwuchs kommt auf die Unternehmen zu?".

Ich fasse den ksta-Artikel zusammen: Wir sind die Generation Y, werden irgendwann (bald und zwangsläufig) die deutsche Wirtschaft stützen, was die meisten Chefs jedoch stark bezweifeln. Denn wir sind ich-bezogen, verwöhnt, selbstüberschätzend und uns fehlen Fachwissen und Karrieregeist. 
Hurrelmann warnt im Interview davor, das alles derart radikal zu betrachten, wie es klingt. 

Fukushima - Klimawandel - Wirtschaftskrise - Jugendarbeitslosigkeit - Internet - 9/11

Das prägt unsere Generation. Ich finde es wichtig, sich das mal vor Augen zu führen. Wir haben im Gegensatz zu vorherigen  Generationen einiges nicht erlebt, beispielsweise keinen Weltkrieg und keine Hungersnot. Im Gegenteil. Der Großteil von uns wuchs im sicheren Umfeld auf. "Uns", meint hier, das betont Hurrelmann nochmals, lediglich die 25% der Bevölkerung, die einen akademischen Schulabschluss machen .
Privat ist bei uns alles tutti, gesellschaftlich aber alles im Wandel. Zack. Stempel drauf, abgefertigt. Aber so einfach ist es leider nicht, denn wir entwickeln uns weiter, werden älter und tauchen plötzlich in Bewerbungsgesprächen auf. Mit unseren Wünschen, Vorstellungen und allem, was dazugehört. Wir haben oftmals alle Möglichkeiten, dank staatlicher Förderung (siehe Bafög) und stabiler Familiensituation. Und weil wir alle Möglichkeiten haben, wollen wir sie auch nutzen. Und dann sind wir eben wählerisch, stellen Ansprüche und wollen "aussuchen statt ausgesucht werden" (Hurrelmann). 
Vielen von uns ist die frei gestaltbare Freizeit wichtiger, als das monatliche Verdienen eines fünfstelligen Betrages. Wozu das ganze Geld, wenn man keine Zeit mehr für den Spaß im Leben hat und nur vom Büro zum Schlafplatz und wieder zurück pendelt? 

Am Ende des Artikels konnte ich persönlich dann wieder ausatmen, denn: So schlimm ist das alles gar nicht. Wir sind anspruchsvoll und von uns überzeugt,  ja, aber das ist auch in Ordnung. Wir werden und wollen die Arbeitskultur verändern und das ist auch gut so. Die Unternehmen müssen sich uns anpassen, nicht umgekehrt, denn wir sitzen wohl am längeren Hebel, auch wenn es genau das ist, was (nicht nur mir, denke ich) Angst macht. Ohne Nachwuchs geht jede Kultur irgendwann zugrunde, aber das kann die deutsche Wirtschaft sich nicht erlauben. 

"Wir sehen zum ersten Mal seit langem wieder eine Generation, die mitmachen und sich engagieren will, aber nur, wen es Sinn und Freude macht, nicht um jeden Preis." (K. Hurrelmann)

Hurrelmanns Prognose ist positiv. Und unsere sollte es auch sein.
Also Brust raus, Kopf hoch und ab ins Leben, was auch immer das bedeuten mag.