"Sie scheinen selbstverliebt, risikoscheu und anspruchsvoll, meiden Führungsverantwortung, lassen es an Ehrgeiz fehlen, sind dafür aber ausgeprägt freizeitorientiert." (ksta, Stefan Sauer)
Ich hab erst mit den Augen gerollt, als ich das gelesen habe. Die Nachwuchs-Akademiker zwischen 15 und 30 werden scheinbar alle über diesen Kamm geschert. Als ich dann den Namen "Hurrelmann" gelesen haben, musste ich echt kurz schlucken, wurde gegen Ende des Artikels aber beruhigt. Hurrelmann fasst ziemlich anschaulich zusammen, was auf die Unternehmen in den nächsten Jahren zukommt: Nämlich wir.
Ziemlich anschaulich dazu zu betrachten auch die Zusammenfassung seines Vortrages "Wie tickt die junge Generation? Welcher Nachwuchs kommt auf die Unternehmen zu?".
Ich fasse den ksta-Artikel zusammen: Wir sind die Generation Y, werden irgendwann (bald und zwangsläufig) die deutsche Wirtschaft stützen, was die meisten Chefs jedoch stark bezweifeln. Denn wir sind ich-bezogen, verwöhnt, selbstüberschätzend und uns fehlen Fachwissen und Karrieregeist.
Hurrelmann warnt im Interview davor, das alles derart radikal zu betrachten, wie es klingt.
Fukushima - Klimawandel - Wirtschaftskrise - Jugendarbeitslosigkeit - Internet - 9/11
Das prägt unsere Generation. Ich finde es wichtig, sich das mal vor Augen zu führen. Wir haben im Gegensatz zu vorherigen Generationen einiges nicht erlebt, beispielsweise keinen Weltkrieg und keine Hungersnot. Im Gegenteil. Der Großteil von uns wuchs im sicheren Umfeld auf. "Uns", meint hier, das betont Hurrelmann nochmals, lediglich die 25% der Bevölkerung, die einen akademischen Schulabschluss machen .
Privat ist bei uns alles tutti, gesellschaftlich aber alles im Wandel. Zack. Stempel drauf, abgefertigt. Aber so einfach ist es leider nicht, denn wir entwickeln uns weiter, werden älter und tauchen plötzlich in Bewerbungsgesprächen auf. Mit unseren Wünschen, Vorstellungen und allem, was dazugehört. Wir haben oftmals alle Möglichkeiten, dank staatlicher Förderung (siehe Bafög) und stabiler Familiensituation. Und weil wir alle Möglichkeiten haben, wollen wir sie auch nutzen. Und dann sind wir eben wählerisch, stellen Ansprüche und wollen "aussuchen statt ausgesucht werden" (Hurrelmann).
Vielen von uns ist die frei gestaltbare Freizeit wichtiger, als das monatliche Verdienen eines fünfstelligen Betrages. Wozu das ganze Geld, wenn man keine Zeit mehr für den Spaß im Leben hat und nur vom Büro zum Schlafplatz und wieder zurück pendelt?
Am Ende des Artikels konnte ich persönlich dann wieder ausatmen, denn: So schlimm ist das alles gar nicht. Wir sind anspruchsvoll und von uns überzeugt, ja, aber das ist auch in Ordnung. Wir werden und wollen die Arbeitskultur verändern und das ist auch gut so. Die Unternehmen müssen sich uns anpassen, nicht umgekehrt, denn wir sitzen wohl am längeren Hebel, auch wenn es genau das ist, was (nicht nur mir, denke ich) Angst macht. Ohne Nachwuchs geht jede Kultur irgendwann zugrunde, aber das kann die deutsche Wirtschaft sich nicht erlauben.
"Wir sehen zum ersten Mal seit langem wieder eine Generation, die mitmachen und sich engagieren will, aber nur, wen es Sinn und Freude macht, nicht um jeden Preis." (K. Hurrelmann)
Hurrelmanns Prognose ist positiv. Und unsere sollte es auch sein.
Also Brust raus, Kopf hoch und ab ins Leben, was auch immer das bedeuten mag.

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