Montag, 28. Oktober 2013

Ich glaub wir haben die Emanzipation verloren

Heute Nacht um zwei hat die Kleine geschrien. Ich muss immer um fünf raus, zur Arbeit, deshalb steht mein Mann immer auf. Er arbeitet seit der Geburt der Kleinen nicht mehr, sodass ich jetzt Vollzeit-Geldverdienerin bin. Morgens um fünf steh ich auf und komme abends gegen sechs nach Hause. Dann steht er meist schon am Herd, die Kleine vor der Brust und wippt sie auf und ab, damit sie einschläft. Er hat sie gerade vorher ein letztes Mal  gefüttert. Über den Tag hinweg hat er ihr die Windeln  gewechselt, den Müll raus gebracht, die Wäsche gebügelt, die Wohnung geputzt - er hat also den Hausmann gespielt.

 Den "Hausmann" gibt es neben der "Hausfrau" mittlerweile tatsächlich im Duden, als "einen Haushalt führenden [nicht berufstätiger Ehe]mann"

Aber gibt es den Hausmann und die Vollzeit-Geldverdienerin in der Realität? 
Ich glaube: Selten, denn...
Wir Frauen können, dürfen und sollen mittlerweile alles. Wir können in [fast] jeden Job arbeiten. Wir dürfen Karriere machen. Und wir sollen es auch. Aber nebenbei sollen wir auch noch möglichst viele Kinder möglichst früh bekommen. Wenn wir das nicht machen, dann sind wir schlechte Frauen, weil wir karrierefixiert sind und scheinbar kein Interesse an Familienplanung haben.

Doch genau das wollen wir doch! Aber wir wollen auch arbeiten und Karriere machen, damit wir unabhängig und frei sein können. 

Wenn man, wie ich, gerade erst sein Bachelor-Studium angefangen hat, dann beschäftigt einen das vielleicht noch nicht so sehr. Aber wer heute studiert, der fängt erst mit Mitte zwanzig an zu arbeiten. Und dann hat man gerade einen richtig guten Job und verdient gutes Geld, da soll man auch schon, möglichst um die dreißig (nicht später!), ein, zwei, drei Kinder bekommen. 

Hilfe! Wie soll denn das funktionieren! Dann doch lieber nur ein Kind, mit Ende dreißig, wo es so gerade noch biologisch machbar ist. Ein Kind reicht doch auch.

Oder wir machen nur eine kurze Ausbildung, arbeiten ein paar Jahre und kriegen fünf Kinder. Das sind dann natürlich keine Akademikerkinder, die ja so sehr gesucht werden. 

Wo ist denn da der adäquate Mittelweg? Hilfe!

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