Dienstag, 22. Oktober 2013

Stone Girl, Alyssa B. Sheinmels

„Zwei Dinge gibt es über Sethie zu sagen, die ganz sicher stimmen: Erstens, dass sie immer Hunger hat, einen gemeinen, wütenden Hunger, der sich wie eine Glasscherbe im Bauch anfühlt, und zweitens, dass sie Shaw ununterbrochen vermisst.“ (S. 8)

Es gibt etliche Romane und Autobiographien die sich mit dem Thema „Magersucht“ beschäftigen. Wenn ich ein solches Werk lese, denke ich: „Das ist ja alles total extrem, jemanden, der nur noch dreißig Kilo wiegt, den sieht man doch nie auf der Straße“. Aber jemanden wie die Protagonistin aus Alyssa B. Sheinmels Roman „Stone Girl“ (Heyne Verlag, 2013), sieht man vermutlich jeden Tag.

Sethie ist 17, gut in der Schule, total verknallt in Shaw und sie kauft sich ihre Klamotten immer eine Nummer zu groß, damit man ihren Speck nicht sieht.

Mehr muss man eigentlich nicht wissen. Auf 272 Seiten wird ein Teil aus Sethies Leben erzählt. Im Gegensatz zu vielen anderen Romanen geht es hier nicht um ein Mädchen, das sich zu Tode hungert. Es geht mehr um den Zwang des Abnehmen-Wollens. Für Sethie bestimmt dieser Zwang quasi ihr Leben, sodass ihre Gedanken sich ständig ums Essen und ums Kalorienzählen drehen. Sheinmel schreibt leicht verständlich und ohne viel Schnickschnack. Gerade bei einem solchen Buch eignet sich ein solcher Schreibstil sehr gut, denn so liegt der Fokus auf dem Inhalt der Geschichte. Eine Siebzehnjährige lernt, dass Freunde viel wichtiger sind, als dünn zu sein und dass sie so nicht weiter leben möchte. Sie hat keine Bulimie und ist keine waschechte Magersüchtige, sondern ein ganz normales Teenager-Mädchen, das sich zu dick findet.

Ich glaube, dass sich viele Teenager so fühlen, wie Sethie. Zumindest teilweise. Sie hungern sich nicht zu Tode, aber sie essen zu wenig, zu unregelmäßig und haben ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper. Das ist schade und sollte die Gesellschaft genauso sehr zum Denken anregen, wie die knapp 100.000 Magersüchtigen in Deutschland. Man würde diese Teenager nicht in eine Klinik für Essgestörte schicken, oder sie für wirklich krank halten. Man würde lediglich sagen „Kind, iss mal was mehr, du hast ja nichts auf den Rippen“. Ich finde dieses Problem sollte ernster genommen werden, denn es gibt – meiner Meinung nach – kaum ein siebzehnjähriges Mädchen, das sagen kann „Ich liebe meinen Körper so wie er ist – und das ohne, dass ich nur 1000 Kalorien am Tag zu mir nehme und das Abendessen ausfallen lasse“.


Ich empfehle „Stone Girl“ als Buch für zwischendurch, wenn ihr mal ein paar Stunden Zeit entbehren könnt. Es ist kein Meilenstein, Sheinmel wird keinen Nobelpreis dafür erhalten, aber man muss den von ihr ausgesprochenen Gedanken im Kopf haben, wenn man sich Casting-Shows wie „Popstars“ und „Germanys next topmodel“ im Fernsehen ansieht.

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